Einige Fragen an die „Deutsche Reichsdruckerei“ des Erhard Lorenz

Nachdem die Augsburger Allgemeine heute einen kleinen Beitrag über Erhard Lorenz‘ „Deutsche Reichsdruckerei“ gebracht hat, dachte ich mir, den Herrn Lorenz könnte man mal ein bißchen trollen. Ich habe ihm folgende E-Mail geschickt und harre gespannt der Antwort.

Sehr verehrter Herr Lorenz,

Bei der Lektüre Ihrer Heimatseiten bin ich auf einige Ungereimtheiten gestoßen, die ich auf meine Unwissenheit zurückzuführen bereit wäre. Vielleicht können Sie ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Auf der Seite „Völkerrechtliche Legitimation“ beziehen Sie sich auf die Militärregierung. Daraus würde ich schließen, dass Sie nach wie vor davon ausgehen, dass Deutschland von den Alliierten besetzt ist, denn sonst gäbe es ja keine Militärregierung. Wenn das so ist, kommt auch die Haager Landkriegsordnung zur Anwendung, damit auch Artikel 16 derselben, der den Versand der Kriegsgefangenenpost regelt. Da steht: „Briefe, Postanweisungen, Geldsendungen und Postpakete, die für die Kriegsgefangenen bestimmt sind oder von ihnen abgesandt werden, sind sowohl im Lande der Aufgabe, als auch im Bestimmungsland und in den Zwischenländern von allen Postgebühren befreit.“ Warum lehnen Sie dann Kriegsgefangenenpost ab, und wo kommen bei Ihnen die 2, 4 oder 6 Cent her?

Als Gerichtsstand legen Sie in den AGB Ziffer 10 den „Sitz der Deutschen Reichsdruckerei“ fest, mithin also das Amtsgericht Neuss. Wenn aber die Bundesrepublik Deutschland nicht existiert, welche Legitimation hat dann Ihrer Meinung nach das Amtsgericht Neuss?

In Ihren AGB Ziffer 9 beziehen Sie sich auf das Datenschutzgesetz? Welches Datenschutzgesetz meinen Sie? Soweit ich weiß, gab es im Deutschen Reich kein Datenschutzgesetz, und das der Bundesrepublik Deutschland dürfte nach Ihrer Definition ja gar keine Geltung besitzen. Wenn Sie das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) meinen, haben Sie mit Ihrem Rechenzentrumsprovider 3W-SERVICE Internet Solutions einen Auftrag zur Datenverarbeitung (ADV) gemäß §11 BDSG abgeschlossen? Wo kann ich diese einsehen? Wie gestalten Sie den Übergang auf die ab Mai 2018 geltende und umzusetzende EU-Datenschutzverordnung?

Inhalt und Form von AGB legen in Deutschland die §§305-310 BGB fest. Beziehen Sie sich darauf oder auf eine ältere Fassung von vor 1918? Wo kann man die einsehen, und vor welchem Gericht findet diese Anwendung?

Auf der Seite zur Reichs-Fahrerlaubnis erwähnen Sie die StVZO, namentlich den §2. Den gibt es aber gar nicht (mehr); die §§ 1 bis 15l wurden mit Wirkung vom 18. August 1998 (BGBl. I S. 2214, 2294; VkBl.1998 S. 982) aufgehoben. Ansonsten gab es die StVZO unter dem Namen „Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Straßenverkehr“ ohnehin erst seit 1937. Worauf beziehen Sie sich also? In welcher Fassung findet sich der von Ihnen in §2 zitierte Satz „Gilt nicht für die Bundesrepublik Deutschland“? Ohnehin – warum würde ein Land ein Gesetz erlassen, das dann explizit nicht für dieses Land gelten sollte?

Warum brauche ich einen BRD-Führerschein, wenn Sie mir doch eine Reichs-Fahrerlaubnis erteilen? Außerdem: Wenn Sie mir eine Reichs-Fahrerlaubnis erteilen, stellen Sie mir dann auch einen Reichs-Führerschein aus? Den finde ich auf Ihrer Heimatseite nicht.

Noch eine Frage zu Ihren Telefonnummern. Ihre Mobilfunknummer ist im Netz der Deutschen Telekom gemeldet. Die Deutsche Telekom befindet sich als ehemaliges Staatsunternehmen immer noch zu knapp 32% im direkten oder indirekten Besitz des Bundes. Haben Sie damit nicht einen konkludenten Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen?

Abschließend zum Versand. Wo kann ich die Versandgebühren einsehen? Wenn Sie ins Gebiet des Deutschen Reiches versenden, dann ja sicherlich auch in die Provinz Ostpreußen nach Königsberg, das sich derzeit bedauerlicherweise unter dem Namen Kaliningrad unter russischer Verwaltung befindet. Was kostet ein Versand dorthin?

Sind Ihre Lieferungen übrigens frei von der bundesrepublikanischen Mehrwertsteuer?

Sie sehen, verehrter Herr Lorenz, ich habe es mir nicht leicht gemacht.

Hochachtungsvoll auf baldige Antwort hoffend,
N.N.

Ich bin gespannt, ob er sich angesichts der kognitiven Dissonanz zu einer Antwort durchringen wird.

[ Update 25.10.2016 14:54 ]

Es gibt Antwort:

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Hmmm. Jetzt hat er keine meiner wichtigen Fragen beantwortet. Das finde ich schade, wenn auch nicht überraschend. Ich frage mich allerdings, wie er den Nebensatz „denn es ist nicht möglich etwas zu wiederlegen was nicht ist.“ meint. Gibt er damit nicht zu, dass das alles Kokolores ist?

Darauf musste ich folgendes antworten:

 

Lieber Herr Lorenz,

jetzt haben Sie meine Fragen leider nicht beantwortet. Das trägt nicht zur Auflösung der vermeintlichen Widersprüche und auch nicht zur Vertrauensbildung bei, völlig unabhängig von der Motivation, die Sie mir unterstellen. Wenn Sie mich dazu auffordern, das Thema richtig zu erforschen, dann tue ich das hiermit und wiederhole meine Fragen, um deren Beantwortung ich Sie höflich bitte. Wenn Sie das nicht möchten, ist auch das eine Art Antwort, und dann muss ich davon ausgehen, dass Sie Ihre Angaben auf der Heimatseite als widersprüchlich und unvollständig akzeptieren und stehen lassen möchten.

Bezogen auf meine Frage nach der Mehrwertsteuer nehme ich Ihren Satz „denn es ist nicht möglich etwas zu wiederlegen was nicht ist“ mal als Antwort in dem Sinne, dass Sie keine Umsatzsteuer auf Ihre Produkte und Dienstleistungen abführen.

Mit freundlichen und ganz und gar nicht staatenlosen Grüßen (denn ich kann mit meinen Ausweisen und Pässen unbehelligt nahezu überall hin reisen, ganz im Gegensatz zu Ihnen mit Ihren Papieren),
N.N.