Seehofer und sein „Masterplan“

Also liebe CSU, Ihr müsst das nochmal langsam erklären für einen Dummi wie mich. Auf der einen Seite hat Herr Seehofer einen Masterplan, den aber keiner kennt und der anscheinend im Giftschrank liegt, weil er Dinge enthält, die nicht im Koalitionsvertrag stehen und teilweise EU-rechtswidrig sein dürften. Ohnehin kann es in dem Plan aber auch nur um die Grenze zu Österreich gehen, denn nur dort gibt es abgestimmt mit der EU seit 2015 wieder Grenzkontrollen. Das bedeutet, es geht um weniger als ein Viertel der deutschen EU-Binnengrenzen, wo überhaupt kontrolliert werden _darf_.

Gleichzeitig trifft sich Markus Söder mit Sebastian Kurz und bespricht eben dieses Thema. Wenn es nun nur um die Grenze zu Österreich geht, sagt dann die CSU zu Österreich, wir machen das, weil wir denken, dass ihr eure Grenze nicht im Griff habt? Und obwohl die Bundespolizei meldet, dass es derzeit um ca. 5 Asylanten PRO TAG geht? Und das obwohl Österreich neben Ungarn und Italien eines der Länder ist, die am vehementesten ihre Grenzen schließen wollen und völlig auf der Linie der CSU sind?

Also ein Scheinproblem (5 Asylbewerber pro Tag) wird mit einer Scheinlösung (Dichtmachen der Grenze ausgerechnet und ausschließlich zu Österreich) bekämpft, und dafür riskiert man den Bruch der Union und der Regierung? Ist es ungefähr das? Vielleicht hat Herr Prantl ja recht mit dem Begriff „Theater“?

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Wie zum Himmel wird man seinen Plastikmüll los?

Dass die Menschheit dabei ist, den Planeten mit Plastik zuzumüllen, dürfte sich inzwischen allgemein herumgesprochen haben. Ein Beispiel dazu hier. Die Bilder kennt Ihr alle, die braucht man nicht zu wiederholen.

Die Welt retten kann ich nicht, aber wenigstens versuchen, selbst den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und den unvermeidlichen Kunststoff bestmöglich zu entsorgen bzw. zu recyceln. Auf der Webseite des lokalen Entsorgungsunternehmens findet sich keine brauchbare Information, nur eine Marketingbroschüre („Umweltbroschüre“).  Also habe ich mal beim Landratsamt meines Kreises nachgefragt wie das denn so ist. Was passiert mit den Kunststoffabfällen im Landkreis. Die (anonymisierte) Antwort:

Ihre Anfrage zur Entsorgung von Kunststoffen wurde uns von der Gemeindeverwaltung XXXXXXX mit der Bitte um Beantwortung zugeleitet. Wie Sie bereits selbst ausführen, gehören alle Kunststoffverpackungen, die mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet sind, in den Gelben Sack. Darüber hinaus stehen seit 01.09.2014 in allen Wertstoffhöfen im Landkreis Container, in denen Hartkunststoffteile aus PP/PA entsorgt werden können. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 117,5 to Kunststoffe gesammelt, die der Wiederverwertung zugeführt wurden. Aus diesen (Alt-)Kunststoffen werden industriell verschiedene Gebrauchsgegenstände wie z. B., Sitzbänke, Gartentische, Mülltonnen usw. hergestellt.

Für alle übrigen Kunststoffe gibt es derzeit leider noch keine Wiederverwertungsmöglichkeit. Diese Kunststoffe können nur in der Restmülltonne entsorgt werden, die im Müllheizkraftwerk München thermisch verwertet werden. Für größere Kunststoffteile, die nicht in die Mülltonne eingegeben werden können, stehen im Wertstoffhof Sperrmüllcontainer zur Verfügung.

Mnja OK. Diese Antwort lässt mich etwas ratlos zurück (was aber nicht die Schuld des betreffenden Mitarbeiters ist, der sich sichtlich Mühe gegeben hat, die Frage ordentlich und individuell zu beantworten). Schon vor Jahren sind viele Verpackungshersteller aus dem Dualen System ausgestiegen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt im lokalen
Supermarkt (Rewe, Penny, und andere) Verpackungen mit dem grünen Punkt gesehen hätte. Bei den Billigdiscountern wie Lidl und Aldi ist es sicher nicht besser, weil es da teilweise um Centbeträge je Verpackungseinheit geht.

Für den Gelben Sack bleibt da effektiv nicht viel übrig. Ich sehe zwar die Nachbarn immer fleißig sammeln und Berge gelbe Säcke an den Straßenrand stellen, aber wenn die og Einschätzung stimmt, dann landet das allermeiste davon, da ohne grünen Punkt, doch wieder in der Müllverbrennung (was wenigstens besser ist, als den Kram nach Asien zu verschiffen und dann dort ins Meer zu verklappen). Ein Placebo. Aber die Leute können sich gut fühlen, weil sie die Kunststoffe ja getrennt entsorgt haben.

Am Ende bleibt mir als „Verbraucher“ also nur, beim Einkauf auf möglichst kunststoffarme Verpackungen zu achten, aber wer in letzter Zeit mal im Supermarkt war, weiß, wie illusorisch das ist. Ohne öffentlichen (politischen) Druck auf Verpackungshersteller und Einzelhandel wird sich daran auch nicht viel ändern – wenn man sieht, wie bedenkenlos verpackte Waren gekauft werden. Da gibt es z.B. eine Fleisch- und Wursttheke im offenen Verkauf, und die Leute kaufen fleißig plastikverschweißte Ware aus dem Kühlregal, weil grad an der Theke eine Schlange ist. Ich werde beim nächsten Einkauf dort mal nachfragen, ob ich meine eigenen Gefäße mitbringen kann, aber ich befürchte, das wird nicht gehen wegen einschlägiger Hygienevorschriften.

Und da fällt der EU nicht mehr ein, als öffentlich über Strohhalme und Plastikbesteck nachzudenken. Plastik-Einkaufstüten mit einer Abgabe zu belegen. Dabei sind das nur Bruchteile des eigentlichen Problems. Eine Abgabe auf Folienverpackungen würde zumindest einen Anreiz schaffen, über Alternativen nachzudenken. Plastik ist schlicht zu billig in der Herstellung und die Hersteller brauchen sich nicht um die Entsorgung zu kümmern. Das müsste sich ändern, wenn sich was ändern soll.

 

KrankenkasseohneHomöopathie

Unter dem Hashtag #KrankenkasseohneHomöopathie fand übers vergangene Wochenende eine heftige Diskussion zu der Frage statt, ob gesetzliche oder Ersatzkassen homöopathische Leistungen bezahlen sollten.

Zur Homöopathie habe ich persönlich eine dezidierte Meinung – im Jahr 2017 halte ich es für reine Scharlatanerie, auf der Basis von bereits im 18. Jahrhundert überholten Forschungsmethoden Menschen zu erzählen, garantiert wirkstofffreie (siehe auch Avogadro-Zahl) Zuckerkügelchen oder alkoholische Auszüge trügen irgendeine nachvollziehbare Wirkung in sich. Der Hauptgrund ist jegliches Fehlen belastbarer Studien zur Frage der Wirksamkeit (die zu erbringen der Gesetzgeber den Herstellern homöopathischer „Arzneistoffe“ freundlicherweise erlassen hat, was insofern lustig ist, weil das Erstellen solcher Studien einen signifikanten Teil an den Forschungsausgaben in der medizinischen Forschung ausmacht) sowie das Fehlen jeglicher plausibler Erklärungen zu den Wirkungsmechanismen.

Zweifelhafte Argumentationslinien

Daher möchte ich gerne aufzeigen, wie Homöopathie-Befürworter argumentieren. Die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), Cornelia Bajic, warf eine Studie aus dem Jahr 2016 in die Diskussion, die der Verein selbst in Auftrag gegeben hatte und die an Hand der Auswertung bereits vorhandenen Materials die Wirksamkeit von Homöopathie belegen soll.

Im Abschnitt „Hintergrund“ ab Seite 7 wird folgendermaßen argumentiert:

Obwohl randomisierte Studien (RCT) als der „Goldstandard“ in der klinischen Forschung gelten, haben sie Nachteile: Sie werden in der Regel an ausgewählten Forschungszentren durch ausgewählte Ärzte und mit ausgewählten, meist angeworbenen Patienten durchgeführt.

In vielen Fällen stellt sich Jahre später unter Alltagsbedingungen heraus, dass die Medikamente anderen Patienten in anderem Kontext und mit anderen Begleiterkrankungen und -medikamenten verabreicht werden, als dies in den Zulassungsstudien erfolgte, mit anderen Outcomes und manchmal auch unerwünschten Wirkungen. Forschungsergebnisse aus RCTs sind deswegen nur eingeschränkt auf den klinischen Alltag übertragbar.

Aus diesem Grund sind ergänzende Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten unter Alltagsbedingungen und mit Alltagspatienten untersuchen, wichtig und werden zunehmend eingefordert. Bei diesen klinischen Studien, die unter Alltagsbedingungen stattfinden, spricht man von „Versorgungsforschung“.

Das muss man mal genau lesen. Da wird der Methode RCT (randomisierte Studien) angekreidet, dass in der Praxis auch weitere Einflüsse für einen Behandlungserfolg ausschlaggebend sind, die den Gesamtwirkungsgrad reduzieren können. Das trifft aber auf „konventionelle Medizin“ und Homöopathie gleichermaßen zu. Genau aus dem Grund macht man solche klinischen Studien, um Fremdeinflüsse und Fehlerquellen sicher erkennen und ausschließen oder zumindest herauszurechnen zu können und sicher zu sein, dass die beobachteten Effekte einer bestimmten, klar identifizierten Ursache zuzuschreiben sind („attribution“). Der DZVhÄ argumentiert nun, das sei in der Praxis gar nicht sinnvoll, sondern man müsse das Gesamtsystem Behandlung betrachten. Es entsteht der Eindruck, dass man sich damit um die Beantwortung der eigentlichen Frage drücken will, welche medizinische Wirkung denn dem homöopathischen Präparat selbst zweifelsfrei zugeschrieben werden kann, und lieber eine Nebelkerze wirft. Gleichzeitig wird versucht, den zunächst als Goldstandard (mit Anführungszeichen) bezeichneten Ansatz mit einem simplen rhetorischen Trick zu entwerten – siehe auch Schopenhauers Eristische Dialektik, Kunstgriff Nr. 33.

Rhetorische Tricks statt klarer Aussagen

Ich stimme dem Ansatz insofern zu, als dass Fehleinnahmen seitens der Patienten, Fehldosierungen, Nachlässigkeiten, Fremdinfektionen zB., und andere Faktoren die Wirkung aller Medikamente relativieren. Aber das ist ja gerade, was eine korrekt ausgeführte klinische Studie mit hinreichend großer Stichprobe, doppelblinder Verabreichung der Testpräparate und einer ausreichend großen Kontrollgruppe vermeiden will, um zu wissen, was das Medikament selbst leistet (Nebenwirkungen eingeschlossen!). Dass man sich in der Praxis dem Ideal der Medikamentengabe immer nur annähern kann, ist eine Binsenweisheit und gilt für alle Präparate gleichermaßen.

Wenn man dem Argument folgt, bedeutet das konsequenterweise, dass es völlig egal ist, was man dem Patienten gibt (so lange die verabreichten Stoffe nicht gesundheitsschädlich sind), weil sich das je nach „sozialem Status“ alles relativiert. Das könnten dann auch Gummibärchen sein.

Mehr habe ich von der Studie ehrlich gesagt nicht gelesen. Wenn in den ersten wenigen Abschnitten schon klar gesagt wird, dass die verwendeten Methoden wiederum nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und man statt dessen hofft, die eigentliche Frage erneut vernebeln zu können, dann ergibt sich die weitere Beschäftigung damit von allein.

Alles wäre gut, wenn die Homöopathie-Befürworter eingestehen würden, dass ihre Methode sich kaum davon unterscheidet, wie eine Mutter ihr Kind tröstet, das sich verletzt hat, und ihm zum Trost besagtes Gummibärchen gibt — nach dem Motto

Mama legt dir jetzt das Gummibärchen auf dein Aua Knie, und das hilft dir gegen den Schmerz. Wenn es nicht mehr aua macht, darfst du das Gummibärchen aufessen.

Gegen eine solche Behandlungsmethode wäre nichts einzuwenden, wenn man das den Patienten klar machte und nicht mit viel Hokuspokus und schamanenhaftem Getue versuchen würde, den Menschen etwas vom Pferd zu erzählen. Auch ich würde mir manchmal wünschen, dass ein Arzt sich für seine Patienten mehr Zeit nehmen könnte, wenn ihn seine Fallpauschalen nicht drücken würden. Daran müsste meiner Meinung nach dringend was geändert werden. Aber das hat doch nichts mit der Wirksamkeit von Globuli zu tun. Klar nutzen manche Ärzte die Möglichkeit, homöopathische Leistungen abzurechnen, um mehr (Gesprächs-)Zeit für ihre Patienten zu haben, auch wenn sie selbst mit Homöopathie als solcher nichts am Hut haben.

Wie wäre es mit Ehrlichkeit?

Aber wäre es nicht ehrlicher, seitens der Krankenkassen und des Bundesgesundheitsministeriums auf die Erstattung „alternativer“ Heilmittel und Leistungen zu verzichten und statt dessen die Fallpauschalen den realen Anforderungen anzupassen oder abzuschaffen?

(Eine Weile lang erlag ich der Versuchung, an eine Verschwörungstheorie zu glauben, dass die Kassen auf diese Weise bei Patienten, die nur leichte Wehwehchen haben und im Wesentlichen etwas Zuspruch brauchen, Geld sparen könnten, das letztlich allen Patienten zugute kommt. Allerdings räumte die Techniker Kasse selbst ein, dass die entstehenden Kosten sogar höher seien. Damit war meine wunderschön ersponnene Verschwörungstheorie („cui bono“, dunkle Mächte im Hintergrund, Geeeeeld!) dahin. Ich war schon drauf und dran zu „forschen“, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Kassen, die Homöopathie bezahlen, und den Rothschilds. Hätte ja sein können. Nein, Entwarnung, es geht offenbar ganz profan ums Marketing.)

Spätestens an dieser Stelle erwarte ich mir in den u.g. Kommentaren den klassischen Whataboutismus, dass in der klinischen Forschung auch nicht alles mit rechten Dingen zugeht und dass dort auch Egomanen und Scharlatane herum laufen. Ja, das stimmt unbestritten. Aber das erhöht nicht die Wirksamkeit homöopathischer Kügelchen, und das war hier auch gar nicht das Thema. Setzen, sechs.

Zur Quantenphysik in der Homöopathie

Wer sich übrigens eine Weile lang mit dem Thema behauptete Wirkungsmechanismen beschäftigt, wird in einschlägigen Foren immer wieder auf laienhafte Erklärungsversuche stoßen, nachdem die Quantenphysik dafür verantwortlich sein soll, dass die Information des eigentlichen Heilmittels (zB. Arnikatinktur oder elementarer Schwefel) durch das Verschütteln auf das Wasser übergehen und sich dort mit jeder Schüttelstufe potenzieren soll. Also je öfter ich um den Faktor 10 oder 100 verdünne, desto wirksamer wird der Stoff.  Nun gibt es in der Quantenphysik allerdings keinen auch nur ansatzweise plausiblen Mechanismus, der einen solchen Vorgang erklären würde, und die Vertreter dieser Hypothesen unternehmen auch gar keinen Versuch, einen solchen Mechanismus zu finden und schlüssig zu erklären. Für Zuhörer, die Quantenphysik für etwas ganz tolles und magisches halten und diese jedenfalls nicht im Ansatz verstehen, reicht das aber offenbar, um den Glauben an irgendeine magische Wirkung aufrecht zu erhalten und in den sozialen Netzen weiter zu verbreiten. Schließlich gilt der Satz „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Gleichzeitig haben wir es hier mit einem weiteren billigen Rhetorik-Trick aus der Schatzkiste Schopenhauers zu tun, nämlich Kunstgriff Nr. 30. Wer würde schon beispielsweise Einstein in Frage stellen, der schon von der „spukhaften Fernwirkung“ gesprochen hat. Dass ein in solcher Weise konstruierter Zusammenhang als furchtbarer Stuss gelten muss, merkt ja der Laie nicht.

Zu dem oben genannten schamanenhaften Getue noch eine Anmerkung. Ich verstehe manche meiner Mitmenschen nicht. Die Skepsis an universitärer Forschung scheint in gleichem Maße größer zu werden, wie das allgemeine Bildungsniveau in Sachen Mathematik und Naturwissenschaften sinkt. Die Menschen beginnen, „selbst zu forschen“ (also YouTube-Videos zu suchen, in denen andere Laien schon was zu einem Thema gesagt haben)  und „frei zu denken“ und sich aus der empfundenen Abhängigkeit von den „Göttern in weiß“ zu lösen. Gleichzeitig werfen sie sich Scharlatanen wie Jim Humble, Ryke Geerd Hamer, Stefan Lanka oder Andrew Wakefield an den Hals, die außer herbeifantasierten Heilsversprechen, schrecklichen Höllenqualen oder den gerne zitierten Denkfehlern „wenn DIE gegen uns sind, dann MÜSSEN wir ja recht haben!!!“ und „meiner Omma ihrer Frisöörin hat’s auch geholfen!!!“ nun so gar nichts anzubieten haben. Verstehe ich nicht. Davon abgesehen ist der Markt „alternativer Heilmittel und -methoden“ ein genau solches Milliardengeschäft wie die klassische Pharmaindustrie. Vom Regen unter Umgehung der Traufe gleich in den Abfluss.

 

Einige Fragen an die „Deutsche Reichsdruckerei“ des Erhard Lorenz

Nachdem die Augsburger Allgemeine heute einen kleinen Beitrag über Erhard Lorenz‘ „Deutsche Reichsdruckerei“ gebracht hat, dachte ich mir, den Herrn Lorenz könnte man mal ein bißchen trollen. Ich habe ihm folgende E-Mail geschickt und harre gespannt der Antwort.

Sehr verehrter Herr Lorenz,

Bei der Lektüre Ihrer Heimatseiten bin ich auf einige Ungereimtheiten gestoßen, die ich auf meine Unwissenheit zurückzuführen bereit wäre. Vielleicht können Sie ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Auf der Seite „Völkerrechtliche Legitimation“ beziehen Sie sich auf die Militärregierung. Daraus würde ich schließen, dass Sie nach wie vor davon ausgehen, dass Deutschland von den Alliierten besetzt ist, denn sonst gäbe es ja keine Militärregierung. Wenn das so ist, kommt auch die Haager Landkriegsordnung zur Anwendung, damit auch Artikel 16 derselben, der den Versand der Kriegsgefangenenpost regelt. Da steht: „Briefe, Postanweisungen, Geldsendungen und Postpakete, die für die Kriegsgefangenen bestimmt sind oder von ihnen abgesandt werden, sind sowohl im Lande der Aufgabe, als auch im Bestimmungsland und in den Zwischenländern von allen Postgebühren befreit.“ Warum lehnen Sie dann Kriegsgefangenenpost ab, und wo kommen bei Ihnen die 2, 4 oder 6 Cent her?

Als Gerichtsstand legen Sie in den AGB Ziffer 10 den „Sitz der Deutschen Reichsdruckerei“ fest, mithin also das Amtsgericht Neuss. Wenn aber die Bundesrepublik Deutschland nicht existiert, welche Legitimation hat dann Ihrer Meinung nach das Amtsgericht Neuss?

In Ihren AGB Ziffer 9 beziehen Sie sich auf das Datenschutzgesetz? Welches Datenschutzgesetz meinen Sie? Soweit ich weiß, gab es im Deutschen Reich kein Datenschutzgesetz, und das der Bundesrepublik Deutschland dürfte nach Ihrer Definition ja gar keine Geltung besitzen. Wenn Sie das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) meinen, haben Sie mit Ihrem Rechenzentrumsprovider 3W-SERVICE Internet Solutions einen Auftrag zur Datenverarbeitung (ADV) gemäß §11 BDSG abgeschlossen? Wo kann ich diese einsehen? Wie gestalten Sie den Übergang auf die ab Mai 2018 geltende und umzusetzende EU-Datenschutzverordnung?

Inhalt und Form von AGB legen in Deutschland die §§305-310 BGB fest. Beziehen Sie sich darauf oder auf eine ältere Fassung von vor 1918? Wo kann man die einsehen, und vor welchem Gericht findet diese Anwendung?

Auf der Seite zur Reichs-Fahrerlaubnis erwähnen Sie die StVZO, namentlich den §2. Den gibt es aber gar nicht (mehr); die §§ 1 bis 15l wurden mit Wirkung vom 18. August 1998 (BGBl. I S. 2214, 2294; VkBl.1998 S. 982) aufgehoben. Ansonsten gab es die StVZO unter dem Namen „Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Straßenverkehr“ ohnehin erst seit 1937. Worauf beziehen Sie sich also? In welcher Fassung findet sich der von Ihnen in §2 zitierte Satz „Gilt nicht für die Bundesrepublik Deutschland“? Ohnehin – warum würde ein Land ein Gesetz erlassen, das dann explizit nicht für dieses Land gelten sollte?

Warum brauche ich einen BRD-Führerschein, wenn Sie mir doch eine Reichs-Fahrerlaubnis erteilen? Außerdem: Wenn Sie mir eine Reichs-Fahrerlaubnis erteilen, stellen Sie mir dann auch einen Reichs-Führerschein aus? Den finde ich auf Ihrer Heimatseite nicht.

Noch eine Frage zu Ihren Telefonnummern. Ihre Mobilfunknummer ist im Netz der Deutschen Telekom gemeldet. Die Deutsche Telekom befindet sich als ehemaliges Staatsunternehmen immer noch zu knapp 32% im direkten oder indirekten Besitz des Bundes. Haben Sie damit nicht einen konkludenten Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen?

Abschließend zum Versand. Wo kann ich die Versandgebühren einsehen? Wenn Sie ins Gebiet des Deutschen Reiches versenden, dann ja sicherlich auch in die Provinz Ostpreußen nach Königsberg, das sich derzeit bedauerlicherweise unter dem Namen Kaliningrad unter russischer Verwaltung befindet. Was kostet ein Versand dorthin?

Sind Ihre Lieferungen übrigens frei von der bundesrepublikanischen Mehrwertsteuer?

Sie sehen, verehrter Herr Lorenz, ich habe es mir nicht leicht gemacht.

Hochachtungsvoll auf baldige Antwort hoffend,
N.N.

Ich bin gespannt, ob er sich angesichts der kognitiven Dissonanz zu einer Antwort durchringen wird.

[ Update 25.10.2016 14:54 ]

Es gibt Antwort:

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Hmmm. Jetzt hat er keine meiner wichtigen Fragen beantwortet. Das finde ich schade, wenn auch nicht überraschend. Ich frage mich allerdings, wie er den Nebensatz „denn es ist nicht möglich etwas zu wiederlegen was nicht ist.“ meint. Gibt er damit nicht zu, dass das alles Kokolores ist?

Darauf musste ich folgendes antworten:

 

Lieber Herr Lorenz,

jetzt haben Sie meine Fragen leider nicht beantwortet. Das trägt nicht zur Auflösung der vermeintlichen Widersprüche und auch nicht zur Vertrauensbildung bei, völlig unabhängig von der Motivation, die Sie mir unterstellen. Wenn Sie mich dazu auffordern, das Thema richtig zu erforschen, dann tue ich das hiermit und wiederhole meine Fragen, um deren Beantwortung ich Sie höflich bitte. Wenn Sie das nicht möchten, ist auch das eine Art Antwort, und dann muss ich davon ausgehen, dass Sie Ihre Angaben auf der Heimatseite als widersprüchlich und unvollständig akzeptieren und stehen lassen möchten.

Bezogen auf meine Frage nach der Mehrwertsteuer nehme ich Ihren Satz „denn es ist nicht möglich etwas zu wiederlegen was nicht ist“ mal als Antwort in dem Sinne, dass Sie keine Umsatzsteuer auf Ihre Produkte und Dienstleistungen abführen.

Mit freundlichen und ganz und gar nicht staatenlosen Grüßen (denn ich kann mit meinen Ausweisen und Pässen unbehelligt nahezu überall hin reisen, ganz im Gegensatz zu Ihnen mit Ihren Papieren),
N.N.

Kurze Betrachtung zur Meinungsfreiheit

Am 3. Oktober 2016 fanden ja in Dresden die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit statt. Diese Gelegenheit haben sich Alt- und Neurechte nicht entgehen lassen, darauf hinzuweisen, dass wir in Deutschland in einer „Meinungsdiktatur“ leben und man ja nicht einmal „die Wahrheit“ sagen dürfe, ohne „in die rechte Ecke gestellt zu werden“. („Isch bin doch goor geen Nazi. Isch will bloß de Ausländer hier ni habm.“)

MIMIMI.

Natürlich darf man in diesem Land seine Meinung frei äußern, auch wenn sie einigen Leuten als unbequem erscheint. Dazu zählt auch rechtspopulistischer Kokolores. Wenn einige Rechte immer wieder lamentieren, man dürfe in diesem Land nicht mal seine Meinung frei äußern, dann muss man fragen, ob das nicht mehr mit dem eigenen kruden Verständnis als „Opfer der Geschichte“ und mit persönlichem Beleidigtsein zu tun als mit tatsächlich nicht vorhandener Meinungsfreiheit. Wegen Meinungsäußerungen rechtspopulistischer Art ist hierzulande noch niemand im Gefängnis gelandet. Aber folgende Dinge sollte man nicht außer Acht lassen:

1. Die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit gilt für jeden. Die eigene Meinungsfreiheit schließt auch immer die der anderen ein, und wenn man zum Beispiel kräftig in Richtung Ausländer austeilt und bewusst oder unbewusst Sprüche aus den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts klopft, dann darf man sich nicht darüber wundern, wenn man das um die Ohren gehauen bekommt. Kurz gesagt: Wenn mir einer mit Nazi-Parolen kommt, dann sage ich ihm, dass er redet wie ein Nazi. Wenn man das nicht will, überlegt man sich besser vorher, was man wie sagt. Ansonsten gilt: Mitgefangen, mitgehangen. Siehe auch: Ententest, sowie diesen SPIEGEL-Kommentar.

2. Sehr gerne wird der Artikel 5(2) des Grundgesetzes übersehen, der unter anderem regelt, dass die Grenzen der eigenen Meinungsfreiheit „in dem Recht der persönlichen Ehre“ liegen. Wenn es also beleidigend wird oder offener Fremdenhass, ist Schluss. Das ist in diesem Land auf Grund der Historie aus gutem Grund so, und dass das nach wie vor ein guter Grund ist, sieht man an genau den Pegida- und anderen rechtsnationalen Parolen, die derzeit so „in“ sind. Und, liebe Staatsleugner und „Reichsbürger“: Ihr könnt Euch nicht auf Art 5(1) berufen und Art 5(2) ausblenden. [UPDATE: die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben die einschlägigen Abschnitte des Strafrechts hier sehr verständlich erläutert.]

3. Man darf in diesem Land seine Meinung frei äußern, aber niemand ist verpflichtet, sich eine solche „Meinung“ anzuhören, sie gut zu finden oder unkommentiert zu lassen. Es ist auch niemand verpflichtet, einer solchen „Meinung“ eine Plattform zu bieten. Löschungen auf Facebook & Co. gehen daher im Rahmen geltenden Rechts völlig in Ordnung, denn Facebook darf das alleine schon auf Grund des eigenen Hausrechts, und das hat nichts mit staatlicher Zensur zu tun – nur falls jemand auf die Idee kommt, gleich wieder ZENSUR!!!! zu schreien.

4. Nur weil man zu bestimmten Dingen wie Asylrecht und Flüchtlingspolitik eine dezidiert ablehnende Meinung hat und in seiner Filterblase auf Facebook oder sonstwo keine anderslautenden Meinungen hört, weil jeder mit einer abweichenden Meinung sofort geblockt wird, bedeutet das nicht, dass man mit seiner Meinung irgendwie repräsentativ oder sogar „das Volk“ ist. Wobei das Blocken eine Menge über das Verständnis von Meinungsfreiheit des Blockenden sagt. Ein vernunftvoller Diskurs geht anders.

tl;dr: Wer rechtsnationale Parolen kloppt, hat mit Gegenwind zu rechnen.

Zum Unterschied von Glauben und Wissenschaft

Auf die Gefahr hin, Dinge zu wiederholen, die andernorts schon tausend Mal geschrieben worden sind… aber ich habe das Bedürfnis, den grundlegenden Unterschied zwischen Glauben und wissenschaftlichen Methoden in meinen Worten zu beschreiben. Hardcore-Gläubige aus Religion und Verschwörungstheorien wird das nicht anfechten, aber der eine oder andere, der gerade dabei ist „aufzuwachen“ und sich mit „alternativen Realitäten“ zu beschäftigen, mag darüber vielleicht doch nochmal nachdenken.

Glaube geht von Prämissen aus wie „es gibt einen Gott, der alles erschafft und lenkt“ oder „die Regierung will uns mit Chemtrails vergiften und ausrotten“. Beobachtungen in der Natur werden diesen Glaubenssätzen angepasst, damit man die Prämissen nicht aufgeben muss. Die Prämissen entziehen sich für gewöhnlich der unabhängigen Überprüfung. Den Prämissen widersprechende Beobachtungen lassen Gläubige nicht gelten oder deuten sie im Sinne ihres Glaubenssystems um. Kritiker werden mit Hilfe rhetorischer Tricks („du bist halt noch nicht so weit!“, „informiere Dich erst mal richtig!“) und der Beweislastumkehr („beweise mir erst mal das Gegenteil!“) mundtot gemacht. Glaube ist dogmatisch und entzieht sich im Kern rationaler Betrachtung.

(Schade, den Absatz hätte ich gerne kürzer und knackiger hinbekommen.)

Wissenschaft beobachtet, beschreibt und versucht daraus die wahrscheinlichsten Schlüsse zu ziehen (Danke an Sebastian Bartoschek für diese schöne Formulierung!). „Wahrscheinlich“ hat hierbei wohl begründet zu werden. Beschreibungen, Messmethoden und -ergebnisse haben so vorgelegt zu werden, dass prinzipiell jeder sie überprüfen und nachvollziehen kann. Annahmen kann man machen, wenn man sie entsprechend kennzeichnet und begründet. Zu einer Theorie wird eine wissenschaftliche Hypothese erst, wenn sie mehrfach unabhängig überprüft wurde und im definierten Rahmen Vorhersagen zulässt. Ergänzende oder gar widersprechende Beobachtungen können dazu führen, dass eine wissenschaftliche Theorie überarbeitet oder komplett verworfen wird.

(Den auch.)

Die Welt ist allerdings nicht schwarz und weiß, sondern überwiegend grau in unterschiedlichen Abstufungen. Es gibt Gläubige, mit denen man rational diskutieren kann, und es gibt Wissenschaftler, die narzisstisch genug sind, ihre Entdeckungen mit Zähnen und Klauen gegen Kritik zu verteidigen.

Wissenschaft ist leider nicht gegen den Dunning-Kruger-Effekt gefeit. Eine wichtige Filmdoku dazu siehe hier. Es gibt eine Menge Menschen, die von wissenschaftlichen Methoden genau nichts verstehen, die ihre Schulzeit vielleicht mit Mühe und Not mit Auswendiglernen überstanden haben, ohne etwas wirklich zu verstehen (der Roman Brave New World lässt grüßen), die vielleicht sogar damit kokettieren, nichts verstanden zu haben und das cool finden, die sich in ihr geschlossenes Weltbild zurück ziehen, um wenigstens ein bißchen Halt zu haben, und die sich überhaupt nicht vorstellen können oder wollen, dass andere Menschen vielleicht doch auf einem anderen intellektuellen Niveau unterwegs sind. Ob ihnen das Angst macht? Oder ob sie Künstler sind?

 

alternativen-zur-realitaet

 

 

 

 

 

 

„Google doch mal richtig!“ — Die Schere im Kopf

Sehr häufig findet man, wenn man in den „Sozialen Medien“ auf Posts von Verschwörungsgläubigen stößt, die Aufforderung, man solle sich doch mal „richtig informieren“. „Google doch mal selbst!“ oder „Du findet dazu alles auf YouTube!“ sind gerne genannte Hinweise.

Sehr geläufig sind auch Hinweise, wie die ganze Welt von höheren Mächten beherrscht wird, ohne dass „die Schlafschafe“ davon merken. Überall sind „Zeichen“ und „Hinweise“, die man als „Erwachter“ natürlich sehen kann – als Schlafschaf natürlich nicht. WACHT DOCH MAL AUF!!!! Häufig genannte „höhere Mächte“ sind in der Regel religiöser oder pseudo-religiöser Natur, wie die Illuminaten, die Freimaurer oder die Rothschilds. Fast immer gehen solche Verschwörungsfantasien zurück auf die so genannten „Protokolle der Weisen von Zion“ , prangern das „Weltjudentum“ an, und sind damit letztlich verkappt oder offen antisemitisch.

 

Lidl und das Illuminatenauge

Lidl ist eine Illuminaten-Firma. Wenn man sich die Bilder anschaut, wird das jedem „Erwachten“ sofort klar. Als „Schlafschaf“ sieht man das natürlich nicht.

 

Liebe Aluhüte, habt Ihr das mal zu Ende gedacht, wo Ihr Euch befindet?

  1. Google wurde gegründet von Larry Page und Sergej Brin. Larrys Mutter war jüdisch, und die Eltern von Sergej, der in Moskau geboren wurde und damit russischstämmiger Einwanderer ist, ebenfalls.
  2. YouTube gehört seit Herbst 2006 Google.
  3. Facebook wurde gegründet von Mark Zuckerberg, der heute zwar als Atheist lebt, aber in eine jüdische Familie geboren wurde und mit 13 Jahren sein Bar Mitzvah-Fest gefeiert hat.

Also wo glaubt Ihr zu sein, hmmm? Wenn die ganze Welt von einer jüdisch dominierten „Neuen Weltordnung“ kontrolliert wird, was macht Ihr ausgerechnet auf Google, YouTube und Facebook?

Und wie kann es sein, dass auf einer der Neuen Weltordnung gehörenden Plattform wie YouTube all Eure „Enthüllungen“ und „Aufklärungsvideos“ nicht stantepede gelöscht werden? Dass man per Google die Links darauf findet? Dass Euch Zuckerberg auf Facebook mal locker Euren rassistischen Müll abladen lässt? Schon merkwürdig. Ach, ich weiß: Das machen die alles nur, um von der NWO abzulenken.

In der morgigen Folge sprechen wir über kognitive Dissonanz.