Zum Unterschied von Glauben und Wissenschaft

Auf die Gefahr hin, Dinge zu wiederholen, die andernorts schon tausend Mal geschrieben worden sind… aber ich habe das Bedürfnis, den grundlegenden Unterschied zwischen Glauben und wissenschaftlichen Methoden in meinen Worten zu beschreiben. Hardcore-Gläubige aus Religion und Verschwörungstheorien wird das nicht anfechten, aber der eine oder andere, der gerade dabei ist „aufzuwachen“ und sich mit „alternativen Realitäten“ zu beschäftigen, mag darüber vielleicht doch nochmal nachdenken.

Glaube geht von Prämissen aus wie „es gibt einen Gott, der alles erschafft und lenkt“ oder „die Regierung will uns mit Chemtrails vergiften und ausrotten“. Beobachtungen in der Natur werden diesen Glaubenssätzen angepasst, damit man die Prämissen nicht aufgeben muss. Die Prämissen entziehen sich für gewöhnlich der unabhängigen Überprüfung. Den Prämissen widersprechende Beobachtungen lassen Gläubige nicht gelten oder deuten sie im Sinne ihres Glaubenssystems um. Kritiker werden mit Hilfe rhetorischer Tricks („du bist halt noch nicht so weit!“, „informiere Dich erst mal richtig!“) und der Beweislastumkehr („beweise mir erst mal das Gegenteil!“) mundtot gemacht. Glaube ist dogmatisch und entzieht sich im Kern rationaler Betrachtung.

(Schade, den Absatz hätte ich gerne kürzer und knackiger hinbekommen.)

Wissenschaft beobachtet, beschreibt und versucht daraus die wahrscheinlichsten Schlüsse zu ziehen (Danke an Sebastian Bartoschek für diese schöne Formulierung!). „Wahrscheinlich“ hat hierbei wohl begründet zu werden. Beschreibungen, Messmethoden und -ergebnisse haben so vorgelegt zu werden, dass prinzipiell jeder sie überprüfen und nachvollziehen kann. Annahmen kann man machen, wenn man sie entsprechend kennzeichnet und begründet. Zu einer Theorie wird eine wissenschaftliche Hypothese erst, wenn sie mehrfach unabhängig überprüft wurde und im definierten Rahmen Vorhersagen zulässt. Ergänzende oder gar widersprechende Beobachtungen können dazu führen, dass eine wissenschaftliche Theorie überarbeitet oder komplett verworfen wird.

(Den auch.)

Die Welt ist allerdings nicht schwarz und weiß, sondern überwiegend grau in unterschiedlichen Abstufungen. Es gibt Gläubige, mit denen man rational diskutieren kann, und es gibt Wissenschaftler, die narzisstisch genug sind, ihre Entdeckungen mit Zähnen und Klauen gegen Kritik zu verteidigen.

Wissenschaft ist leider nicht gegen den Dunning-Kruger-Effekt gefeit. Eine wichtige Filmdoku dazu siehe hier. Es gibt eine Menge Menschen, die von wissenschaftlichen Methoden genau nichts verstehen, die ihre Schulzeit vielleicht mit Mühe und Not mit Auswendiglernen überstanden haben, ohne etwas wirklich zu verstehen (der Roman Brave New World lässt grüßen), die vielleicht sogar damit kokettieren, nichts verstanden zu haben und das cool finden, die sich in ihr geschlossenes Weltbild zurück ziehen, um wenigstens ein bißchen Halt zu haben, und die sich überhaupt nicht vorstellen können oder wollen, dass andere Menschen vielleicht doch auf einem anderen intellektuellen Niveau unterwegs sind. Ob ihnen das Angst macht? Oder ob sie Künstler sind?

 

alternativen-zur-realitaet

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Zum Unterschied von Glauben und Wissenschaft

  1. Die Glaubens-Macher sind ja nicht so dumm, dass sie nicht einsehen, dass die meisten ihre Fakten fakes sind, um mal in der Terminologie von heute zu bleiben, sie wissen längst, dass sie alternative Wahrheiten verbreiten.
    Aber es geht ihnen schlicht und ergreifend um Machterhalt; das war schon zu Mose Zeiten so. Macht und Reichtum haben sie sich so in ihre Schriften rein geschrieben, ganz klar zu erkennen in den Fünf Büchern des Mose.
    Es ist ja bezeichnend, dass all die Prediger der neuen Kirchen die überall aus dem Boden schießen, rasch Millionäre werden, mit dem gespendeten Geld ihrer dummen Schäfchen.
    Nannte nicht schon der Erfinder der Bhagwan Sekte 70 Rolls- Royce sein eigen. Von den unzähligen Weibern, die ihm verfallen waren und sich ihm ins Bett warfen nicht zu reden. Ob da auch Minderjährige dabei waren ist jetzt Nebensache, auch wenn wir das aus der Katholischen Kirche ja ausgiebig kennen. Macht, Reichtum und Sex, dafür streiten diese Herren; es geht ihnen nicht um Einsicht in wissenschaftliche Beweise; sie verteidigen mit Klauen und Zähnen ihr Lügengebäude.
    Wer mehr darüber erfahren will, ganz einfach : “ Wer weiter glaubt ist bald alleine “ lesen. da kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus, was so alles in diesen ach so heiligen Schriften steht !!

    • Die (Brand|Religions)stifter dürften das in der Tat meistens wissen (wobei das schwer nachzuweisen ist). Ganz sicher gehen die aber davon aus, dass ihre Haupt-Zielkunden das nicht wissen. Nicht ganz umsonst führt Bildung häufig (nicht immer) zu einer gewissen Resistenz gegen Schwurbelkram, egal ob der aus der Religions-, der Esoterik- oder der Verschwörungs-Ecke kommt. Gemeinsam ist all diesen Bereichen die Ablehnung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntniswege – aus gutem Grund, möchte man meinen.

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