Der große Tag: Halbmarathon

Tja, und dann kam der große Tag. Die Hausaufgaben (sprich: Trainingseinheiten) waren alle gemacht, die Speed hatte ich und die Ausdauer auch, aber beides zusammen (Distanz und Geschwindigkeit) hatte ich noch nicht gemacht. So gesehen war ich ein blutiger Anfänger.

Unterhaching ist ein recht verschlafenes Nest, und der run4trees-Lauf, der zum vierten Mal stattfand, hat eher familiären Charakter. Immerhin tauchen dort einige der im Münchener Umland üblichen Verdächtigen auf, wie Hugh Culverhouse (der Wahnsinnige mit den Krücken, den ich schon beim Halbmarathon München getroffen hatte) oder Herbert Metzker, der mit seinen 61 Jahren immer für Superzeiten gut ist.

Beim Start lagen die Temperaturen um die 20 Grad, und es war zu erwarten, dass die Temperatur bis zum Ende des Laufs locker auf 23 Grad gehen würden. Das war ich eher nicht gewohnt, aber ich erwartete aus meinem Bild vom Perlacher Forst, dass der größte Teil der Strecke sicherlich im Wald stattfinden würde. Die Hitze und zwischendurch pinkeln zu müssen und dadurch aus dem Rhythmus zu geraten machten mir am meisten Sorgen. Also trank ich ab ca. eine Stunde vor dem Start nichts mehr, aß aber gegen 9 Uhr noch eine Banane, machte mich in Ruhe vor dem Lauf etwa 2 km warm und mein Sextanerbläschen nochmal leer. Als „Treibstoff“ hatte ich eine Halbliterflasche Wasser mit 4 gehäuften Esslöffeln Maltodextrin und etwas Kochsalz dabei – Malto etwas hoch dosiert und damit eher hyperton, aber es sollte ja alle ca. 3-4 km Wasserstationen geben und dort könnte ich zusätzlich Wasser trinken. So ersparte ich mir die ekelhaft süßen Powergels (und der Umwelt den Abfall – liebe Hersteller, wie wäre es denn mal mit biologisch abbaubaren Gelverpackungen?).

Der Start lief gut, ich stand in der 3. Reihe und das passte auch ganz prima. Von den Ergebnissen des Vorjahres wusste ich ja, dass ich mit meiner Zielzeit unter den ersten drei meiner Altersklasse liegen müsste.

Die erste 10-Kilometer-Runde lief ganz locker, ich hatte Kilometerzeiten zwischen 4:23 und 4:41; bis zur Mitte lag der Schnitt um 4:35. Die 5km-Zeit dürfte um 23:03 gewesen sein – so viel zum Thema Horror. Und von wegen Waldwege. Der allergrößte Teil der Strecke liegt in der prallen Sonne! In der zweiten Hälfte wurde es etwas zäher, der Gesamtschnitt näherte sich der Marke 4:40, aber damit lag ich immer noch gut unter 1:39 Stunden. Meine Trinktaktik ging prima auf, ich trank an jeder Station einen Becher Wasser und fing ab 13 km mit meinem Malto-Sprit an. An jeder Wasserstation trank ich ungefähr ein Viertel der Flasche (plus etwas Wasser) und bei ca. 19 km den Rest, um die Unterzuckerung nach dem Ziel zu vermeiden (auch wenn es gleich anschließend ein alk-freies Weißbier geben würde, aber da muss man erst mal hin kommen ;-)). Und alles ohne wie zuvor im Training pinkeln zu müssen!

Das ging aber alles prima auf, und als ich im Ziel ankam, war ich supererleichtert. Die genaue Zeit wusste ich noch nicht, weil ich erst ein paar anderen Läufern gratulierte, bevor ich dran dachte, meine eigene Zeitnahme vielleicht mal zu stoppen. Das Zielfoto ist sicherlich auch nicht dolle, weil ich bisher immer erst nach der Ziellinie dran denke, die Arme hoch zu reißen. Das muss ich noch üben 😉 . Ich holte mir erst mal mein Weißbier und fand später meine Zeit online:

urkunde_s

Whohoo! 1:38:50, damit mit Abstand erster meiner Altersklasse und 15. insgesamt (von 98 Männern). Laut Steffny (Tabelle S. 147 „Maximal mögliche Zeiten auf Nachbardistanzen“) hätte ich bei einer 10000-Meter-Zeit von 44:00 optimal eine HM-Zeit von 1:37:14 anpeilen können, wobei er davon ausgeht, dass man als Debütant eher um die 1:42:31 rechnen solle. So gesehen und angesichts der Hitze ist das glaube ich ziemlich gut gelaufen gestern. Goil! 🙂

Culverhouse kam übrigens auf 1:38:22 (mit Krücken und obwohl er sich an einer Stelle vertüddelt hatte und wieder aufholen musste) und Metzker wurde Gesamtsieger in 1:24:32. Wahnsinn. Aber so gesehen habe ich sicher noch 10 gute Jahre vor mir 😉 .

Ich bin auch gefragt worden, ob ich denn auch einen Marathon laufen werde. Das reizt mich schon, aber erst 2014. Erfahrene Läufer sagen dazu, man solle zunächst 2 Jahre regelmäßig und viel gelaufen sein, sonst wäre das zu anspruchsvoll. Mein Traum wäre im Oktober 2014 beim Berlin-Marathon die Volldistanz zu laufen – wenn ich es denn schaffe mich anzumelden. Der Andrang ist riesengroß, und die Tickets für die Veranstaltung 2013 waren im September 2012 innerhalb weniger Stunden vergriffen. Immerhin ist Berlin einer der „Big Five“ London, Chicago, New York, Boston und eben Berlin. USA ist mir zu zeitaufwändig und zu teuer; London wäre eventuell noch eine Option, dann aber erst 2015, weil der im Frühjahr stattfindet, und das passt 2014 nicht mehr rein. Schaumermal. Bis dahin läuft noch viel Wasser den Rhein hinunter. In Deutschland gibt es auch viele tolle Veranstaltungen, bei denen dann auch nicht die Gefahr besteht, totgetrampelt oder mittels eines profanen Schnellkochtopfs in die Luft gesprengt zu werden.

Für die Zeit dazwischen habe ich mich aber noch für ein paar Halbmarathons angemeldet: 13.10.2013 beim München-Marathon (Zielzeit 1:34 Stunden), 30.03.2014 Vattenfall-Halbmarathon Berlin, 13.04.2014 Wien. Danach würde ich erst mal etwas ruhiger angehen und im Juli mit dem Training für die Volldistanz anfangen. Das Training ist aber sehr zeitaufwändig – unter anderem stehen jede Woche mehrere lange Läufe um 2-3 Stunden an, die man neben Familie und Beruf erst mal unterbringen muss. Ohne das würde ich sicherlich um die 4 Stunden herum irgendwie ankommen, aber da juckt mich dann der Ehrgeiz… Immerhin bin ich neulich knappe 32 km in glatt 3 Stunden gelaufen, da fehlt nicht mehr sooo viel.

Tipp: Wenn man sich das erste Mal an solche Distanzen rantastet, kann es sein, dass der Kreislauf beim Ankommen innerhalb von 2-3 Minuten weg kippt. Beim Laufen hält einen noch das Adrenalin aufrecht, aber das ist dann schlagartig weg. Das Stichwort ist hier Unterzuckerung. Dagegen hilft, entweder gegen Ende des Laufs nochmal ordentlich „Stoff“ einzuwerfen oder gleich nach Ankommen einige Esslöffel Traubenzucker mit viel Flüssigkeit einzunehmen. Nach diesem 32er konnte ich aber nicht mal mehr das, und meine Frau musste mich wieder aufpäppeln. Nächstes Mal geht das besser. Beim ersten 25km-Lauf war das auch so, dann nicht mehr. Der Körper lernt offenbar damit umzugehen, und man selbst auch.

Will damit auch sagen, der typische Bluthockdruckpatient bin ich nicht mehr. In der Regel ist der Blutdruck vorbildlich bei 125/80 oder sowas, und mein Ruhepuls tickt irgendwo zwischen 40 und 45. Ich war dieses Frühjahr nochmal beim Kardiologen, weil mein Puls unter Last immer ziemlich rauf geht und damit 5-10 Prozent höher liegt als die ganzen Pulstabellen so suggerieren. Andererseits kann ich zu Fuß oder mit dem Rad eineinhalb Stunden mit Puls 150 durch die Gegend hetzen und fühle mich prächtig dabei. Der Doc jedenfalls setzte mich aufs Ergometer, ultraschallte meine Herzklappen und schaute sich das alles an, und fand das dann ziemlich lustig, dass ich überhaupt vorbei gekommen bin. Er habe nicht oft solche Patienten, ich solle mal machen, so lange ich mich gut dabei fühle, meinte er. Am 16.08. bin ich in der Kardiologie bei der TU München angemeldet, großer Check mit Laufband-EKG, Sauerstoffaufnahme und allem Gedöns. Sicher ist sicher.

So lange das körperlich noch geht, stellt sich mir auch die Frage, ob ich mich irgendwie spezialisieren sollte oder ob ich mich noch verbessern kann. 10 km in 40 Minuten? Halbmarathon in 1:29? Lieber die längeren Strecken, weil sich Ausdauer in meinem Alter eher trainieren läßt als Geschwindigkeit?

Ach egal. Ich werde es jetzt erst mal etwas ruhiger angehen lassen, wieder mehr Rad fahren, mit Florian laufen, und im August geht es wieder ins Training für Oktober.

Ich weiß nur eins: Mir ist es lieber ich falle irgendwann mit einem Herzkasper aus den Laufschuhen oder vom Rad als überfressen vom Sofa zu rutschen. Dieses Mal will ich die Kurve kriegen.

Fortsetzung folgt – vielleicht!

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