Und wie kam ich nun zum Laufen?

Im ersten und zweiten Teil habe ich beschrieben, warum und wie ich zum Thema Abnehmen kam. Heute soll es darum gehen, warum ich mit dem Laufen anfing …

Eine interessante Entwicklung gab es bei der Garderobe. Hatte ich früher Anzüge Größe 52 und 54 getragen, sahen die jetzt an mir aus wie Zirkuszelte. Ich gab alle in die Altkleidersammlung und kaufte mir neue in Größe 50. Jeans hatte ich früher längere Zeit in 36/32 getragen und hatte es 2009 auf 34/32 geschafft. Die waren mir jetzt natürlich viel zu weit. Aktuell habe ich Jeans und andere Hosen in 33/32 respektive Größe 50, und selbst die schlabbern im Bund. Die nächsten Jeans sind wieder 32/32 bzw. Hosen Größe 48 oder 98. Hemden in 42? Weg damit, mir passt wieder 40. T-Shirts in XL? Nur noch zum Auftragen beim Sport. Wir sind bei M oder maximal L. So gesehen ist Abnehmen eine teure Angelegenheit. Nimmt man über Jahre allmählich zu, merkt man das nicht so, weil man ab und an eh was Neues kaufen muss. Schmeißt man aber alles innerhalb weniger Monate auf dem Müll, sind innerhalb weniger Wochen ein paar Hundert Euro fällig. Trotzdem war es die richtige Entscheidung. Pro-Tipp: Mit dem Neukauf warten, bis man sein Zielgewicht tatsächlich erreicht hat, sonst kann es einem passieren, dass der vor 2 Monaten neu gekaufte Anzug plötzlich auch zu groß ist.

Beim Radfahren hatte ich immer einen elektronischen Tacho dabei, das war meine einzige Zeit- und Streckenmessung. Mein neuer Job seit Mitte August 2012 brachte dann ein Android-Handy mit, und ich probierte zum Radeln die App „Bikecomputer Pro“ aus. Ging ganz gut, auch wenn mich die unterschiedlichen Messergebnisse verwirrten. Als Referenz blieb ich erst mal beim Tacho.

Im Herbst war dann eine Entscheidung fällig. Rad fahren übern Winter geht gar nicht; a) ist es zu kalt (mit der Gefahr der Unterkühlung im Nacken und auf dem Rücken) und b) ist es nass, glatt, abends früh dunkel und daher gefährlich. Also musste eine Alternative her, um all die gewonnene Kondition über den Winter zu erhalten. Nur schwimmen wollte ich auch nicht. Irgendwann an einem Montagabend im Oktober war ich dann wie üblich zu einem flotten Abendspaziergang unterwegs, als ich spürte, ich möchte jetzt mal versuchen ein paar Schritte zu laufen.

Dauerlaufen war für mich immer ein Horror gewesen. Als Jugendlicher war ein ein ganz passabler 100-Meter-Läufer mit Zeiten unter 12 Sekunden, aber Langlaufen? Geh mir weg damit. Größtes Traumaerlebnis war die jährliche Verpflichtung bei der Bundeswehr, 5000 Meter in der Zeit fürs Deutsche Sportabzeichen (23 Minuten) zu laufen. Da ich nie lief oder gar trainierte, habe ich das meistens nur mit Ach und Krach und manchmal gar nicht geschafft, obwohl ich in der Zeit gewichtsmäßig ganz normal herumlief (so um die 72 kg), aber ich hatte halt Null Kondition. Gegen Ende meiner Bundeswehr-Zeit fing ich dann ein bisschen mit dem Laufen an (ich war Kompaniechef, da musste ich ja gewissermaßen ein gutes Beispiel abgeben). Das ging auch ein paar Wochen gut, bis ich nach einem Waldlauf mit meinen Jungs irgendwann nicht mehr die Treppe hochkam, so sehr schmerzten beide Knie. In der Zeit spielte ich aber auch ziemlich viel Squash, ein- bis zweimal die Woche. Offenbar hatte ich mir zu viel zugemutet. Ich also zum Orthopäden, Diagnose: entzündete Kniegelenke mit Verdacht auf Arthrose. Ein halbes Jahr musste ich hin zum Spritzen. Empfehlung: Laufen sein lassen, lieber schwimmen und Rad fahren (ach?). Na gut, das endete dann damit, dass ich erst mal gar nichts mehr machte. Dann: Bundeswehr-Dienstzeit zu Ende, geheiratet, neuer Job, jeden Tag stand irgendwo Kuchen herum. Das war 1992. Der Rest ist Geschichte.

Aber an diesem Oktoberabend kam auf einmal während des Spaziergangs das Bedürfnis hoch, einfach loszulaufen. Ich also in Straßenschuhen und im dicken Parka los. Das ging vielleicht einen halben Kilometer, dann war es gut. Aber ich hatte ein supergutes Gefühl, und wollte das ausprobieren. An einem der nächsten Tage habe ich mir Laufschuhe besorgt, und Montags drauf (am 15.10.) bin ich zum laufen. Erst mal eine überschaubare Strecke von ca. 4,2 km, schön langsam. Als ich zu Hause ankam, war ich fix und alle und kam kaum noch die Treppe hoch. Ich hatte 3 Tage Muskelkater. Erkenntnis: Du kannst vom Radfahren und Schwimmen fit sein wie ein Brötchen, aber beim Laufen werden andere Muskeln beansprucht. Aber egal, ich fing an mir auf Google Maps mögliche Laufstrecken um meinen Wohnort herum zu suchen. Das ging dann in den nächsten paar Wochen ganz gut – als Standardstrecke etablierte sich eine mit ca. 6,2 km.

Zum Aufzeichnen benutzte ich anfangs noch Bikecomputer Pro, aber das erwies sich ganz schnell als nicht wirklich zielführend. Zum Laufen kann die einfach zu wenig. Nach einigen Versuchen und Recherchen bin ich dann bei Runtastic gelandet, und damit öffnete sich innerhalb weniger Wochen eine ganz neue Welt. Am Anfang dachte ich ja, das wäre eine App fürs Lauftraining, aber inzwischen ist klar: Ja, das kann sie auch, ziemlich gut sogar, aber mit dem halböffentlichen Trainingstagebuch, Live-Tracking, der Möglichkeit, anzufeuern und angefeuert zu werden, und der Anbindung an Facebook ist das eigentlich eine Social-Media-App für Läufer. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele neue Bekannte (mit dem Begriff „Freunde“ bin ich zurückhaltend) mit denselben Interessen gewonnen wie seit meinem Einstieg mit Runtastic. Anfang habe ich Kontakte gesammelt wie bekloppt, irgendwann war ich bei über 750. Aber das brachte nichts, die meisten waren Karteileichen, die kaum Sport machten, die nie anfeuerten und die ich auch nie im Webportal gesehen habe zum anfeuern. Also habe ich Anfang 2013 radikal aufgeräumt und alle bis auf ca. 160 wieder rausgeworfen. (Inzwischen sind es wieder knappe 300.)

Parallel dazu bin ich in der Gruppe „Runners“ in Facebook gelandet. Dort finden sich weitgehend die gleichen Leute wie in meinem Kern-Bekanntenkreis in Runtastic, aber dank der besseren Kommunikationsfunktionen in FB findet der meiste Austausch wie virtuelles Schulterklopfen inzwischen dort statt. Aktuell hat mindestens 90 Prozent meiner Aktivitäten auf Facebook mit Laufen zu tun.

Ebenfalls Teil dieser neuen Welt waren und sind Leute, deren Laufverhalten mich schlicht umgehauen hat. Das fing an mit Dieter, der jeden Morgen seine 7 km abspulte, was mir damals unerreichbar vorkam. Ich war zu der Zeit mit Mühe bei 6 km jeden zweiten oder dritten Tag. Dann lernte ich Francesca kennen, die alle zwei Tage 20 oder 25 km in einer affenartigen Geschwindigkeit (25 km in ca. 2 Stunden) durch London rennt. Oder Renate, die als Ultramarathonläuferin schlapp mal 50 km läuft oder den Rennsteiglauf mitmacht. Lutz, der seit dem 1.1.2012 jeden Morgen 25 km im Streak läuft (und meistens nachmittags nochmal radeln oder wandern geht). Patrick, der zum Training eben mal so 25 km in einer Pace von 4:24 min/km abliefert (ja gut, der ist auch 21 Jahre jünger als ich). Und und und. Ich kann sie gar nicht alle nennen. Es war sagenhaft.

Fortsetzung folgt!

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