Von 101 auf 77 in 4 1/2 Monaten – die Zweite

Am letzten Märzsonntag 2012 habe ich dann also mit der Radikalmethode angefangen, mit Glaubersalz und all dem Tamtam. Ich brauche das mental, um innerlich umzuschalten von „fressen und saufen“ auf „jetzt mal langsam Sportsfreund“.

Zunächst habe ich alle 3 „großen“ Mahlzeiten mit Almased (5 Esslöffel in stillem Minralwasser) ersetzt. Dazwischen gab es reichlich dünne Apfelschorle (Apfel-Direktsaft etwa 1:4 mit Mineralwasser). Bei früheren Abnehm-Arien hatte ich diese Geschichte mit der Gemüsebrühe versucht, aber das ließ ich dieses Mal sein. Mich täglich hinzustellen und selber Gemüsebrühe zu kochen war zeitlich nicht drin, außerdem war ich zu der Zeit beruflich bedingt 3-4 Tage die Woche in einem Projekt in Karlsruhe, und da fehlen einem im Hotel einfach die Möglichkeiten. Diese Fertigbrühen kann man meiner Meinung nach in der Pfeife rauchen – entweder bestehen sie zum großen Teil aus Glutamat, oder sie sind furchtbar übersalzen. Da man sehr geschmacksempfindlich wird, wenn man eine Weile radikal diätet, schmeckt dieses Brühenzeug nach wenigen Tagen so ekelhaft, dass man keine Lust mehr hat. Ich habe aus dem Grund schon mal früher nach wenigen Tagen aufgegeben und es gesteckt.

Mit Tomatensaft habe ich es statt Gemüsebrühe auch schon versucht, aber das funktioniert nicht so gut, vermutlich weil Tomatensaft ziemlich viel Fruchtzucker enthält und der Körper dann gar keinen Anlass sieht, an seine Fettpolster zu gehen.

Also keins von beiden. Der Plan war, ca 2-3 Wochen bei 3x Almased am Tag zu bleiben und dann je nach Tagesablauf das Mittag- oder Abendessen durch einen gemischten Salat zu ersetzen: Grüner Salat, Tomaten, Gurken, Paprika, ein paar Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, ein wenig Oliven- oder Kürbiskernöl. Andere Öle tun es wahrscheinlich auch – es geht dabei nur um die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine; außerdem schmeckt es auch etwas besser. So ein Salat hat vielleicht 100-150 Kalorien am Ende.

Stichwort Kalorien: Diese Almased-Diät ist durchaus keine Nulldiät, soll sie auch gar nicht sein. Wer sich für das vom Hersteller propagierte Wirkungsprinzip interessiert, möge auf dessen Webseite nachlesen. Mag sein, dass das so stimmt oder auch nicht, aber richtig ist, dass der menschliche Körper bedingt durch unsere Evolution sehr effizient mit Fettspeichern umgeht, wenn er mal eine Weile nichts bekommt, und in eine Art Energiesparmodus geht, sprich: Der Grundumsatz sinkt. Das hat er die letzten 3 Millionen Jahre öfter tun müssen, und dieses Erbe haben wir noch in unseren Genen. Almased soll unter anderem bewirken, dass der Grundumsatz nicht oder nicht so stark absinkt, dass also der Körper trotz Mangelversorgung weiter normal Energie verbrennt.

Ironische Nebenbemerkung: Menschen, die wir heute bewundern, weil sie schlank und sportlich aussehen und die essen können, was sie wollen, und dabei nicht zunehmen, hätten in der Steinzeit in Mitteleuropa mit den langen Wintern wahrscheinlich schon als Teenager nicht einen dieser Winter überlebt – sie wären verhungert oder bestenfalls als Klappergestell im Frühling aus der Höhle gekrochen. Ich gehöre nicht zu dieser Sorte Menschen. Meine Frau schon. Die würde gerne etwas zunehmen, aber tut es nicht. Ist diese Welt gerecht? 😉

Die ersten paar Tage in der Intensivphase wird man möglicherweise je nach Veranlagung mehr oder weniger Hunger verspüren und unleidlich werden. Manche Leute bekommen furchtbar Mundgeruch oder stinken sonstwie. Außerdem stellt sich der Körper auf Mangelernährung um und man fühlt sich schlapp und kaputt. Es ist daher sicherlich kein Fehler, sich für die erste Woche oder länger Urlaub zu nehmen und was schönes zu machen, vor allem wenn man das zum ersten Mal macht. An den ersten beiden Tagen sollte man sich auf jeden Fall den Rücken frei halten und immer eine Toilette in der Nähe haben, wenn man die Glaubersalz-Nummer macht. So blöd kann man sich das gar nicht ausdenken, wann der Darm auf die Idee kommt, sich mit Schmackes entleeren zu wollen ;-). Ansonsten viel Spazieren gehen, etwas Schwimmen, auf keinen Fall aber leistungsorientiert. Diese Phänomene gehen aber recht bald vorbei – man sollte sich davon auf keinen Fall von seinem Vorhaben abbringen lassen.

Da hatte ich Mitte April also die ersten Kilos weg und saß an mehreren Abenden die Woche in Karlsruhe im Hotel herum. Spätestens um 8 am Abend hat man seine Hausaufgaben erledigt (Mails abgearbeitet etc.). Spontan kam mir der Gedanke, ich könnte ja mal schwimmen gehen. Das Europabad war nur ein paar Straßenbahnhaltestellen entfernt. Ich also zum Schwimmen. Die ersten Male tat ich mich schwer und fing erst mal mit 20 Bahnen an. Also ich das aber mal ein bisschen öfter tat (zweimal die Woche), wurden da innerhalb von 2 oder 3 Wochen 30 und 40 Bahnen draus. Ein Kilometer! Das war schon was! Anfangs mit einer Pause dazwischen, aber das hörte ziemlich bald auf, und ich schwamm den Kilometer Brust Mitte Mai in unter 30 Minuten.

Gewichtstechnisch hat sich das dann interessant entwickelt. Ich machte im späten Frühjahr 3-4x die Woche Sport (Schwimmen, Rad) und war Anfang Juni 2012 runter auf 86 kg. Zu dem Zeitpunkt schwamm ich 60 Bahnen in ca 38-40 Minuten. Aber es fühlte sich so an, als ginge da noch was, außerdem kam ich auf einmal ohne Sport nicht mehr aus. Ich brauchte die Bewegung, das Austoben vor allem auf dem Rad. Teilweise war ich jeden Tag eine Stunde unterwegs. Also peilte ich als neues Ziel als Obergrenze 81 kg an (bei meiner Größe BMI 25).

Wiegen sollte man sich übrigens immer unter den gleichen Bedingungen – beispielsweise gleich morgens nach dem Aufstehen und dem ersten Toilettengang. Der menschliche Körper nimmt tagsüber etwa einen Liter Wasser auf, um das man abends schwerer ist als früh – und am nächsten Morgen wieder leichter. Wenn man also nicht für gleichbleibende Messbedingungen sorgt, bringt das höchstens Verwirrung.

Rad bin ich vor allem am Wochenende gefahren. Die Einstiegsstrecke von knapp 15 Kilometer zur Dietersheimer Brücke und zurück (anfangs nur mit Pause in der Mitte!) war mir bald schon nicht mehr genug, und ich fing an längere Stücke zu fahren, entweder über die Straße nach Ismaning und zurück (ca 25 km eine Runde) oder über die Dörfer im Westen von Freising (22-25 km, ziemlich hügelig). Irgendwann war dann eine längere Strecke dran, über Freising, Allershausen und zurück, Anfang August ca. 42 km, mit Stundenschnitten um die 28 – 30 km/h. Im September 2012 baute ich an meinem 18 Jahre alten Trekking-Rad alle fürs Fahren überflüssigen Teile ab und machte etwas schmälere Reifen drauf – jetzt wiegt es noch knapp über 13 kg und geht wie die Wutz. Den Gedanken, mir ein „richtiges“ Rennrad zu kaufen, habe ich verworfen – manche Streckenabschnitte sind auf Grund der schlechten Fahrbahnqualität nicht wirklich geeignet für ein Rennrad. (Und da ich inzwischen fast nur noch laufe, wäre die Investition für’n A****).

Ernährungstechnisch ging das so: wenn ich an einem Tag Sport gemacht hatte, gab es etwas „Richtiges“ zum Essen, ansonsten gab es Salat. Nach dem Schwimmen im Europabad beispielsweise holte ich mir gerne eine Portion Nudel arrabiata und – tadaaa! – ein Weißbier dazu. Frühstück war ansonsten Almased, Mittagessen ein Salat. Außerdem habe ich es mir angewöhnt, gegen 10 und gegen 16 Uhr ein Stück Obst zu essen, meistens einen Apfel. Der füllt wegen des hohen Faseranteils ganz gut den Magen und verhindert, dass man bei der danach folgenden „großen“ Mahlzeit Heißhunger hat. Im Frühsommer 2012 in Karlsruhe gab es alternativ fast täglich eine Schale Erdbeeren – dem Gemüsehändler am Bahnhofsplatz sei Dank, dass er mir immer die schönsten zurück gestellt hat 🙂 Außerdem habe ich in dem Frühjahr Unmengen von Spargel gegessen, meistens zu Abend.

Ähnlich halte ich das heute noch: An Tagen ohne Sport gibt es früh zwei Scheiben Toast mit Honig oder Marmelade (ich bin so ne Süßschnauze), mittags Salat, dazu eine Semmel oder eine Breze, abends ebenfalls Salat, fertig. Dazwischen wie besagt Obst, und viel trinken. Wenn ich im Homeoffice arbeite, gibt es mittags in der Regel eine große Portion gemischtes Müsli mit einer reingeschnippelten Banane, angerührt mit Vollmilch. Das spart einem auch das Essen kochen 😉 (Inzwischen ist mein Grundumsatz durch den vielen Sport aber spürbar höher, so dass ich es mir ohne weiteres leisten kann, mal „zuzulangen“ – das laufe ich eh spätestens am Sonntag wieder ab, aber dazu später.)

Interessanterweise wurde das Thema Abnehmen zum Selbstläufer – Anfang August 2012 war ich auf 80, dann 79, und als ich Mitte August eine neue Stelle annahm, war ich um die 78 kg. Das heißt, meine neuen Kollegen kennen mich nur von Bildern anders, finden mich aber besser, wie ich heute bin (ich auch). An der Stelle hörte ich dann auch mit Almased auf – bis dahin hatte ich an sportfreien Tagen das Frühstück damit ersetzt.

gewicht

Im ersten Beitrag besagtes Spreadsheet (eher: eine Tabelle) habe ich im Laufe der Zeit mehrfach erweitert – es kamen Spalten für die einzelnen Mahlzeiten dazu, außerdem Spalten für gelaufene / gefahrene / geschwommene Strecken und Zeiten. Das hilft enorm, einen Überblick zu behalten, was man so in sich reinstopft, und man kann besser nachvollziehen, woher eine plötzliche Gewichtszu- oder abnahme kommt. Weight Watchers, private edition, sozusagen.

Stichwort Medikamente: Beta-Blocker und Statine habe ich in Absprache mit meinem Hausarzt und nach Überprüfung der Blutwerte irgendwann im Mai oder Juni 2012 abgesetzt, ebenso die Johanniskrautkapseln, die ich über einen längeren Zeitraum genommen hatte, um meine gelegentlichen Stimmungsschwankungen zu bekämpfen. Jetzt brauche ich sie nicht mehr. Ich stelle jetzt mein Serotonin und meine Endorphine selber her 🙂

An der Stelle sei ein Hinweis angebracht. Wer es versucht mir nachzutun, ist wahrscheinlich gut beraten, sein näheres Umfeld und seine Familie auf die Reise besser mitzunehmen als ich das getan habe. Es gibt Menschen die sich mit einer solch drastischen Veränderung schwer tun, und die dann anfangen zu fremdeln. Ich habe keine Musterlösung, wie man damit am besten umgeht, aber den Hinweis wollte ich zumindest loswerden.

Fortsetzung folgt!

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