Irren ist englisch

Der SPIEGEL schrieb in seiner Ausgabe 48 vom 24.11.2018 unter dem Titel Irren ist englisch eine exzellente Analyse über das Zustandekommen des Brexit.

Den genannten Irrtümern würde ich noch einen voran stellen:

Irrtum Nr. 0: Mit einem Referendum zum Austritt lassen sich die EU-Gegner einhegen

David Cameron, eigentlich EU-Befürworter, saßen die EU-Gegner im Nacken. Mit einem Referendum dachte er diese innerparteilichen Gegner in ihre Schranken weisen zu können. Keiner, am wenigsten er selbst, hatte es für möglich gehalten, dass ein solches Referendum für einen Austritt aus der EU ausgehen könnte. In einem Punkt haben er und seine EU-freundlichen Parteifreunde, zu denen eigentlich auch Theresa May zählte, gewaltig verschätzt: Dass und wie es der UKIP und den EU-Feinden in der Tory-Partei gelingen könnte, die Menschen mit ihren Lügen und Halbwahrheiten für einen Austritt aufzuwiegeln. Das kostete Cameron das Amt – so gesehen war er das erste politische Opfer der Brexit-Hysterie.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht an einen Deal-Brexit. Die Brexiteers im House of Commons haben ihre Messer gewetzt. Das Chaos eines No-Deal-Brexits scheint ihnen lieber zu sein als ein geordneter Ausstieg – bietet er ihnen doch die Möglichkeit, erneut einen Sündenbock für ihre erwartbar fehlschlagenden Großmachtträume zu finden. Sollte es auf ein zweites Referendum hinauslaufen oder auf ein Absagen des Brexit, wird die Post erst richtig abgehen.

 

 

Beware the Tripsta bankruptcy!

I nearly fell victim to the Tripsta bankruptcy yesterday. Tripsta used to be a flight ticket reseller and agency, and there were usually among the cheapest on booking portals like Skyscanner and others. I bought a LOT Premium Economy return ticket MUC-ORD-MUC via WAW last January, which was about half the price of a similar direct flight ticket e.g. with Lufthansa. So far, so good.
 
When I wanted to check the flight status yesterday, I noticed that although I had received a conformation from Tripsta containing their booking number, but no document mentioning the Amadeus or Sabre booking number that is used by the airlines. But alas, Trista had gone bankrupt a while ago as I found out.   Hence, no checking, no seat reservation, no web check-in, no online access to anything. And consequently, no booking changes, no refunds. Googling the problem, I found that a number of customers were not refunded anything, and could not reach anyone on the phone or via e-mail. I believe Tripsta are taken to court by some victims.
 
The LOT helpline tried to be helpful but they couldn’t do anything to reveal the booking number because they couldn’t identify me on the phone. They asked me to check with a check-in agent at the airport.
 
LOT hava no agent or ticket counter at MUC but are handled by Lufthansa. A flight agent tried to help but was initially not able to because I had no booking number. Bummer. He tried this and that and after a couple of minutes, when I was ready to give up and try to find a last minute flight to Chicago, he found out something and could present me my flight data including ticket number and booking number.

This guy made my day, and saved me a couple of hundred Euros and a lot of time I suppose. Kudos!

#QFD, gab.ai und ähnliche Accounts auf Twitter blocken leicht gemacht

Wie man automatisiert rechte und rechtsradikale Accounts auf Twitter blocken kann, war ja schon einmal Thema eines Beitrags hier im Blog. In der Zwischenzeit kam von einigen Usern die Frage, warum man das nicht einfach mit Blocklisten macht, so wie bestimmte „Kreise“ das derzeit anscheinend auch machen. Das kann man natürlich tun, wenn man sicher ist, dass in den Blocklisten Accounts stehen, die man so auch blocken würde; nachteilig ist, dass diese Blocklisten pro Datei nur 5000 Einträge umfassen können (OK, das kann ein Luxusproblem sein). Leider kann man diese Listen nicht unmittelbar nachbearbeiten, weil sie nur numerische IDs enthalten, aber keine Twitter-Namen.

Alternativ kann man sich an einem Projekt wie blocktogether.org beteiligen.

Hier geht es aber um etwas anderes. Seit einigen Tagen versehen User mit bestimmten Ansichten ihre Accountnamen mit einem roten Kreuz (❌), dem Tag #QFD (QualitätsFilterDiskriminierung), verweisen auf die „Böhmermann-Liste“ oder sind gleich offen rechts (gab.ai). All jene (oder eine Teilmenge davon) kann man mit Hilfe von twidge wunderbar automatisiert blocken. Dazu bauen wir uns ähnlich wie im ersten Teil einen crontab-Eintrag wie folgt:

3 * * * * /usr/bin/twidge lsrecent -asu -e $HOME/bin/twidge-QFD.sh

und erzeugen ein Skript namens twidge-QFD.sh ungefähr folgenden Inhalts:

#!/bin/sh

# 1. update ID 
# 2. username 
# 3. suggested message-ID for mails
# 4. update text itself (complete?)

LOG="$HOME/tmp/twitblock.log"
USER="$2"

wget -q -O - https://twitter.com/${USER} | 
egrep -qi '<title>.*(❌|QFD|gab.ai|Böhmer.*list).*</title>' || exit 0 # nix zum tun. 
# else: 
echo twidge block "@$USER" >> $LOG
twidge block "@$USER" >> $LOG 2>&1 
# repeat if unsuccessful
if [ $? -gt 0 ] ; then
  sleep 2
  twidge block "@$USER" >> $LOG 2>&1
fi
# repeat if unsuccessful
if [ $? -gt 0 ] ; then
  sleep 2
  twidge block "@$USER" >> $LOG 2>&1
fi
exit 0

Möchte man spezifisch auch Replies auf eigene Tweets erfassen, kann man o.g. cron-Eintrag ergänzen durch einen zweiten, der twidge lsreplies aufruft.

Was macht nun dieses Skript? twidge liefert leider nicht direkt den Twitter-Namen eines Users („User Name“), nur den Handle („@username“). Daher holt sich das Skript einfach das Profil mittels wget und fischt mit egrep die Zeile <title>...</title> heraus. Wenn der Suchstring nicht in der Zeile vorkommt, tut das Skript weiter nichts; andernfalls blockt es den User mit dem entsprechenden Handle. Die Fehlerbehandlung erfolgt wie im vorigen Teil.

Erweitern oder einschränken kann man die Suchfunktion, indem man bei dem egrep-Aufruf Teile des regulären Ausdrucks weglässt oder ihn ergänzt (man egrep, siehe „Alternation“). Das rote Kreuz „❌“ ist ein Unicode-Character mit dem Zeichencode U+274C. Man kann es mit copy&paste aus Twitter holen oder von hier.

Happy blocking!

[Update] Das Ganze geht übrigens auch, wenn man sonst nur mit Windows unterwegs ist, mit einem Raspberry Pi und einem normalen Raspbian Linux drauf. Möglicherweise lässt sich das sogar mit einer FritzBox oder einem Linux-basierten NAS machen – Hinweise sind willkommen!

Gleich eine Anmerkung zur Kommentierung: allfällige Beleidigungen werde ich gepflegt ignorieren und nicht veröffentlichen. Das hat nichts mit Zensur zu tun, wie opferseitig gerne gejammert wird, aber eine Menge mit meiner Seite der Meinungsfreiheit — siehe auch hier:

 

Seehofer und sein „Masterplan“

Also liebe CSU, Ihr müsst das nochmal langsam erklären für einen Dummi wie mich. Auf der einen Seite hat Herr Seehofer einen Masterplan, den aber keiner kennt und der anscheinend im Giftschrank liegt, weil er Dinge enthält, die nicht im Koalitionsvertrag stehen und teilweise EU-rechtswidrig sein dürften. Ohnehin kann es in dem Plan aber auch nur um die Grenze zu Österreich gehen, denn nur dort gibt es abgestimmt mit der EU seit 2015 wieder Grenzkontrollen. Das bedeutet, es geht um weniger als ein Viertel der deutschen EU-Binnengrenzen, wo überhaupt kontrolliert werden _darf_.

Gleichzeitig trifft sich Markus Söder mit Sebastian Kurz und bespricht eben dieses Thema. Wenn es nun nur um die Grenze zu Österreich geht, sagt dann die CSU zu Österreich, wir machen das, weil wir denken, dass ihr eure Grenze nicht im Griff habt? Und obwohl die Bundespolizei meldet, dass es derzeit um ca. 5 Asylanten PRO TAG geht? Und das obwohl Österreich neben Ungarn und Italien eines der Länder ist, die am vehementesten ihre Grenzen schließen wollen und völlig auf der Linie der CSU sind?

Also ein Scheinproblem (5 Asylbewerber pro Tag) wird mit einer Scheinlösung (Dichtmachen der Grenze ausgerechnet und ausschließlich zu Österreich) bekämpft, und dafür riskiert man den Bruch der Union und der Regierung? Ist es ungefähr das? Vielleicht hat Herr Prantl ja recht mit dem Begriff „Theater“?

Frage an den Landesdatenschutzbeauftragten zum Thema freie Blogs

Viele kleine Blogger treibt die Frage um, wie sie die Vorgaben der DSGVO richtig umsetzen. Mancher fällt auf ie allgemeine Hysterie herein und schaltet sein Blog gleich ganz ab. Ich bin der Meinung, dass ich mit meiner in der Datenschutzerklärung (oben) beschriebenen Vorgehensweise nicht so falsch liegen kann, habe aber zu Sicherheit (und auf Anraten von Alvar Freude) den LDA des Landes Bayern folgendes gefragt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Datenschutzkoordinator der Deutschen Telekom für den Bereich TelekomCLOUD Business Marketplace (https://cloud.telekom.de) bin ich für die Applikationssicherheit und den Datenschutz des Marktplatzes und der
angebotenen Applikationen zuständig. Seit Monaten beschäftigt mich in enger Abstimmung mit dem Konzerndatenschutz fast nichts anderes als die Umsetzung der DSGVO im Bereich inklusive der Erstellung und Veröffentlichung der neuen AV-Verträge für Geschäftskunden, sowie die Automatisierung des AV-Prozesses für die Zukunft. So gesehen bin ich also ein wenig vom Fach.

Was mich aber mangels belastbarer Quellen und angesichts der allgemeinen DSGVO-Hysterie etwas ratlos zurück lässt, ist mein eigenes privates Blog, das auf wordpress.com gehostet ist (https://hmilz.wordpress.com/about/). Es handelt sich um einen kostenlosen Account, und das Blog hat rein persönliche Inhalte und keine kommerzielle Ausrichtung. Es gibt keine Werbung, und ich erhebe und verarbeite selbst keine personenbezogenen Daten. Als freier Account habe ich auch keinerlei Möglichkeiten, irgendwas an der Erhebung personenbezogener Daten seitens WordPress selbst zu ändern oder Plugins zu installieren, mit denen ich da irgendwas steuern könnte. Die Kommentierung ist prinzipiell anonym möglich, allerdings bekomme ich die IP-Adresse von Gästen immer zu sehen. Kann ich mir aber nicht aussuchen – es gibt keine Einstellmöglichkeiten dafür.

Wenn ich der FAQ von Jan Albrecht (https://www.janalbrecht.eu/2018/05/dsgvo-haeufig-gestellte-fragen-haeufig-verbreitete-mythen/) folge, unterliege ich damit nicht der DSGVO.

Eine AV gibt es seitens WordPress seit ein paar Tagen, allerdings nur für die kostenpflichtigen Premium-Accounts. In dem Fall würde ich entweder draufzahlen oder ich müsste Werbung schalten zur Finanzierung, was doppelt kontraproduktiv wäre, denn dann müsste ich Tracker u.ä. installieren, um gegenüber Werbekunden die Reichweite zu messen und nachzuweisen. Das kann kaum im Sinne des Erfinders sein.

Daher verzichte ich auf all das und habe meine Position dazu in der Datenschutzerklärung unter https://hmilz.wordpress.com/about/ beschrieben. Die Frage an Sie: Liege ich damit richtig oder bin ich auf dem Holzweg? Falls letzteres: Was muss ich tun, um DSGVO-konform zu sein?

Vielen Dank!

PS: Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich diese E-Mail sowie Ihre Antwort darauf in einem Blog-Beitrag anonymisiert veröffentlichen, denn dieselbe Fragestellung schleppen derzeit viele kleine Blogger mit sich herum.

Mit freundlichen Grüßen,

Jetzt schaun wir mal. Update folgt.

 

Wie zum Himmel wird man seinen Plastikmüll los?

Dass die Menschheit dabei ist, den Planeten mit Plastik zuzumüllen, dürfte sich inzwischen allgemein herumgesprochen haben. Ein Beispiel dazu hier. Die Bilder kennt Ihr alle, die braucht man nicht zu wiederholen.

Die Welt retten kann ich nicht, aber wenigstens versuchen, selbst den Kunststoffverbrauch zu reduzieren und den unvermeidlichen Kunststoff bestmöglich zu entsorgen bzw. zu recyceln. Auf der Webseite des lokalen Entsorgungsunternehmens findet sich keine brauchbare Information, nur eine Marketingbroschüre („Umweltbroschüre“).  Also habe ich mal beim Landratsamt meines Kreises nachgefragt wie das denn so ist. Was passiert mit den Kunststoffabfällen im Landkreis. Die (anonymisierte) Antwort:

Ihre Anfrage zur Entsorgung von Kunststoffen wurde uns von der Gemeindeverwaltung XXXXXXX mit der Bitte um Beantwortung zugeleitet. Wie Sie bereits selbst ausführen, gehören alle Kunststoffverpackungen, die mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet sind, in den Gelben Sack. Darüber hinaus stehen seit 01.09.2014 in allen Wertstoffhöfen im Landkreis Container, in denen Hartkunststoffteile aus PP/PA entsorgt werden können. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 117,5 to Kunststoffe gesammelt, die der Wiederverwertung zugeführt wurden. Aus diesen (Alt-)Kunststoffen werden industriell verschiedene Gebrauchsgegenstände wie z. B., Sitzbänke, Gartentische, Mülltonnen usw. hergestellt.

Für alle übrigen Kunststoffe gibt es derzeit leider noch keine Wiederverwertungsmöglichkeit. Diese Kunststoffe können nur in der Restmülltonne entsorgt werden, die im Müllheizkraftwerk München thermisch verwertet werden. Für größere Kunststoffteile, die nicht in die Mülltonne eingegeben werden können, stehen im Wertstoffhof Sperrmüllcontainer zur Verfügung.

Mnja OK. Diese Antwort lässt mich etwas ratlos zurück (was aber nicht die Schuld des betreffenden Mitarbeiters ist, der sich sichtlich Mühe gegeben hat, die Frage ordentlich und individuell zu beantworten). Schon vor Jahren sind viele Verpackungshersteller aus dem Dualen System ausgestiegen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt im lokalen
Supermarkt (Rewe, Penny, und andere) Verpackungen mit dem grünen Punkt gesehen hätte. Bei den Billigdiscountern wie Lidl und Aldi ist es sicher nicht besser, weil es da teilweise um Centbeträge je Verpackungseinheit geht.

Für den Gelben Sack bleibt da effektiv nicht viel übrig. Ich sehe zwar die Nachbarn immer fleißig sammeln und Berge gelbe Säcke an den Straßenrand stellen, aber wenn die og Einschätzung stimmt, dann landet das allermeiste davon, da ohne grünen Punkt, doch wieder in der Müllverbrennung (was wenigstens besser ist, als den Kram nach Asien zu verschiffen und dann dort ins Meer zu verklappen). Ein Placebo. Aber die Leute können sich gut fühlen, weil sie die Kunststoffe ja getrennt entsorgt haben.

Am Ende bleibt mir als „Verbraucher“ also nur, beim Einkauf auf möglichst kunststoffarme Verpackungen zu achten, aber wer in letzter Zeit mal im Supermarkt war, weiß, wie illusorisch das ist. Ohne öffentlichen (politischen) Druck auf Verpackungshersteller und Einzelhandel wird sich daran auch nicht viel ändern – wenn man sieht, wie bedenkenlos verpackte Waren gekauft werden. Da gibt es z.B. eine Fleisch- und Wursttheke im offenen Verkauf, und die Leute kaufen fleißig plastikverschweißte Ware aus dem Kühlregal, weil grad an der Theke eine Schlange ist. Ich werde beim nächsten Einkauf dort mal nachfragen, ob ich meine eigenen Gefäße mitbringen kann, aber ich befürchte, das wird nicht gehen wegen einschlägiger Hygienevorschriften.

Und da fällt der EU nicht mehr ein, als öffentlich über Strohhalme und Plastikbesteck nachzudenken. Plastik-Einkaufstüten mit einer Abgabe zu belegen. Dabei sind das nur Bruchteile des eigentlichen Problems. Eine Abgabe auf Folienverpackungen würde zumindest einen Anreiz schaffen, über Alternativen nachzudenken. Plastik ist schlicht zu billig in der Herstellung und die Hersteller brauchen sich nicht um die Entsorgung zu kümmern. Das müsste sich ändern, wenn sich was ändern soll.

 

Die Kerosin-Lüge – oder warum die Streifen künstlich sein MÜSSEN!

Schon seit einer geraumen Weile kursiert in Kreisen der Chemtrailer die Behauptung, dass seit ca. 2010 alle Flugzeuge auf neuartige Mantelstromtriebwerke umgerüstet würden, die keine Kondensstreifen mehr machten. Alle Streifen, die man am Himmel sieht, MÜSSTEN daher künstlich sein. Eine belastbare Erörterung, warum solche Triebwerke im Gegensatz zu früheren Modellen keine Kondensstreifen produzieren sollten, erspart man sich allerdings. Aus konstruktiver Sicht gibt es keinen vernünftigen Grund, das zu vermuten, und aus chemischer Sicht ebenfalls nicht, denn wenn man eine bestimmte Menge Kerosin verbrennt, dann entsteht unabhängig von der Konstruktion des Triebwerks immer dieselbe Menge Wasserdampf (und CO2), und dieser wird je nach Temperatur und Luftfeuchte in Reiseflughöhe immer zu einer Nebelbildung führen. (Von Versuchen im militärischen Sektor, Flugbenzin mit Zusätzen zu versehen, die die Kondensstreifenbildung reduzieren sollten, sehe ich hier mal ab – die spielen im zivilen Sektor keine Rolle.)

Schematischer Schnitt durch ein Mantelstromtriebwerk.

Der Trick ist in beiden Fällen: Man stelle eine unbewiesene Prämisse auf (eine, die der Zuhörer zumindest nicht ad hoc als Unfug erkennt – siehe auch Schopenhauers Eristische Dialektik, Kunstgriff Nr. 28 „Argumentum ad auditores“) und ziehe daraus eine völlig absurde Schlussfolgerung. Da der Zuhörer die Prämisse nicht gleich als falsch erkennt, wird er möglicherweise auch die Schlussfolgerung zunächst für wahr halten. Ähnliche Spielchen gibt es in der Mathematik, mit denen man „beweisen“ kann, dass 1 gleich 0 ist. Womit gezeigt wäre, dass ein bißchen Allgemeinbildung nicht schadet, um zu erkennen, ob man hinter die Fichte geführt wird.

Zudem müsste sich der geschätzte Zuhörer fragen, warum die Flugzeughersteller angeblich erst Triebwerke entwickeln, die keine Streifen mehr produzieren, um dann im nächsten Schritt dazu beizutragen, dass Chemtrails versprüht werden, was dann doch wieder sichtbar wäre. Vermutlich machen die das nur, um die Chemtrailer zu ärgern. Erklärbar ist das nur durch eine grenzenlose Dummheit entweder bei den Herstellern oder bei den Chemtrailern.

Irgendwann muss aber auch den Chemtrailern aufgegangen sein, dass sich das Argument mit den Mantelstromtriebwerken nicht aufrecht erhalten lässt, weil das zu offensichtlicher Unfug ist. Nun ist es aber für Anhänger solcher Weltbilder nötig, ihre bereits von vornherein feststehenden Schlussfolgerungen („es wird gesprüht“) aufrecht zu erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich dabei in die wildesten Widersprüche verwickelt. Wird man dabei erwischt, kann man sich immer noch darauf zurück ziehen, Katzen- oder Wolkenbilder zu posten oder den Kritiker zu beleidigen oder als völlig inkompetent darzustellen. Sehr beliebt auch die Aufforderung „google doch mal selber!!!“ oder „ich habe keine Zeit, dir das alles hier zu erklären!!!“.

Der neueste kreative Trick der Chemtrailer ist daher die „Kerosin-Lüge“, also die Behauptung, dass Flugzeuge in Wirklichkeit schon lange mit Freier Energie [TM] fliegen und gar nicht mit Kerosin, und dass daher die Streifen am Himmel künstlich sein MÜSSEN! Als Beispiel sei hier ein mehrteiliges ziemlich verwirrtes Video von Philipp Gölitz  Teil 1 und Teil 2 genannt (Vorsicht: das ist anschnallpflichtig!). (Dass Philipp auch mit der Flachen Erde liebäugelt und die Mondlandung anzweifelt, lasse ich jetzt mal so stehen.)

Der Kollege macht das gar nicht ungeschickt, indem er gleich die Anhänger der Freie-Energie-Verschwörung mit einbindet.  Auch umgeht er damit das Problem, dass die Tonnen von Chemtrail-Zusätzen ja auch irgendwie mit dem Flugzeug transportiert werden müssten, wodurch weniger Platz für Treibstoff oder Nutzlast bliebe.

Allerdings müsste er mir auch mal erklären, warum dann jeden oder jeden zweiten Tag ein langer Güterzug mit Flugbenzin (also Kerosin, Jet-A1) von München aus zum Flughafen MUC fährt und in meinem Wohnort vorbei kommt. Was machen die am Flughafen mit all dem Sprit, wenn er doch gar nicht benötigt wird? Wozu die Riesen-Tanks an den Flughäfen?

Flugbenzin-Tanklager am Flughafen München (Quelle: Google Maps)

Jajaaaa, könnte dann die Antwort kommen (auf die warte ich noch), in Wirklichkeit transportieren die ja die Chemtrail-Flüssigkeit damit. Dann würde ich aber zurück fragen, warum die Gefahrguttafeln (30-1223) klar auf Kerosin hinweisen. Daran orientieren sich schließlich Feuerwehr und THW bei Unfällen mit dem Gefahrgut. Darauf würde ich dann den Einwand erwarten, dass die Gefahrguttafeln ja nur Tarnung sind und die Feuerwehren in Wirklichkeit genau wüssten, was da drin ist.

OK, Feuerwehren und THW sind also auch Teil der Verschwörung. Und zwar ALLE. Gut, dass das jetzt geklärt ist.

Damit wären wir wieder bei dem Thema, wie lange sich solche Verschwörungen geheim halten lassen.

(Warum hypothetische Chemtrail-Zusätze wie Aluminium, Barium, Strontium unmöglich dem Sprit beigemischt sein können, habe ich hier diskutiert.)

[Update 03.05.2018]:

Gestern früh gegen 6 Uhr habe ich beobachtet, wie so ein Tankzug bei uns vorbei fuhr. Die Gefahrgutkennzeichen waren aber 30-1863 (Düsenkraftstoff). Das ändert aber nichts am obigen Thema.